Emanzipation vom Vater? (update 2)

Veröffentlicht: August 10, 2011 in Blog, Das Schwarze Auge, DSA, Fettnäpfchen, Pen & Paper, Rollenspiel, Ulisses Spiele
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Eine schöne Tradition bei DSA Publikationen ist es, an den 1997 leider verstorbenen, geistigen Vater der Spielewelt Ulrich Kiesow, mit folgendem Satz zu erinnern:

Ulrich Kiesow gewidmet.

Dem geistigen Vater der Spielewelt Aventurien.

Dies zeigte bisher immer den Respekt der Nachfolgeschreiberlinge an Ulrich Kiesow, ohne dessen unermüdlichen Einsatz, wir alle wohl kaum DSA spielen würden.

Mit dieser respektbezeugenden Widmung scheint nun gebrochen worden zu sein. Denn mit der Veröffentlichung der  Spielhilfen Q7 Horte magischen Wissens (Danke an User Frettchen) und G14 Schattenlande sucht man den oben genannten Text vergeblich.

Um einen Bezug zu unseren gestrigen Eintrag Ulisses und der Fanroman (Das Zitat war von Ulrich Kiesow) her zu stellen, könnte man schlussfolgern, das Ulisses, der Yuppie ist, der sich vom Gründervater des Fan-Empowerments lösen will.

Natürlich kann es sich hier auch um einen Fehler handeln, wir wissen es schlichtweg nicht. Eine Stellungnahme von Ulisses gab es dazu bisher noch nicht.

Das dieser Fehler nicht gefunden wurde, könnte daran liegen, dass auch kein Lektorat aufgeführt wurde, was man spätestens dann merkt, wenn man sich fragt, wer eigentlich dieser Cristian Denecke ist und was sich seine Eltern bei dieser Schreibweise so gedacht haben.

Nachtrag: Soeben wurde uns mitgeteilt, dass auch in der Publikation Feenstaub und Fabelwesen die Widmung fehlt. Demnach ist aktuell nicht mehr von einem Fehler seitens Ulisses Spiele auszugehen. Um so interessanter wäre es zu wissen, warum Ulisses das macht. Für uns ist das nicht nachvollziehbar.

Nachtrag 2: Markus Plötz hat zu diesem Thema mittlerweile eine Erklärung geliefert. http://www.ulisses-forum.de/showthread.php?p=825336#post825336

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Kommentare
  1. Heshtot sagt:

    Ich find das gerade deswegen hart, weil „Das zerbrochene Rad“, das Kiesow auf dem Sterbebett fertiggeschrieben hat, ja zu der aventurisch-geschichtlichen Grundlage gehört, auf der die heutigen Schattenlande aufbauen. Wenn’s ne Horasreich-Spielhilfe gewesen wäre, hätt ichs nicht so schlimm gefunden.

  2. Frettchen sagt:

    Mir ist grad aufgefallen, dass auch bei Horte magischen Wissens dieser Verweis schon fehlte. Habe ich bisher gar nicht bemerkt. Und finde ich ein starkes Stück. Und vor allem unverständlich. :-(

  3. gotongi sagt:

    Danke für den Hinweis, wir haben das im Artikel ergänzt!

  4. gefluegeltesglubschauge sagt:

    laut gnom im Vinsalt-Forum tritt dasselbe Phänomen in „Feenstaub und Fabelwesen“ auf.

  5. TheClone sagt:

    Hm, zusammen mit der Umstrukturierung kommt mir eher so vor, als würde mit Alt-68er-Tum gebrochen und man versucht DSA professioneller zu führen. Und was Kiesow so alles verzapft hat…

  6. David sagt:

    Ich liebe „Das zerbrochene Rad“, aber so ganz lupenreine Arbeit hat Kiesow auch nicht immer abgeliefert. Man denke an seine Darstellung der Adelsmarschallin und vergleiche diesen NSC mit der Darstellung der Schöpferin Michelle Schwefel in „Stromaufwärts“. Da wurden persönliche Zwistigkeiten in die Spielwelt gezogen. Außerdem ist Kiesow zwar einer der Schöpfer von DSA, dadurch aber ja noch kein Heiliger, dem immerzu Tribut gezollt werden muss.

    Außerdem sieht es schon nach unsauberer Arbeit aus, wenn man ein Phänomen (die fehlende Widmung) und ein anderes (die Urheberrechtsgeschichte) einfach in einen Topf wirft und ein schönes alle-hassen-Ulisses-Süppchen daraus kocht. Eine standardisierte Widmung wird ihm mMn auch nicht gerecht, da sie dann genau so viel Wert ist, wie die ISBN-Nummer.

  7. Flo sagt:

    Man kann Ulrich Kiesow mögen oder nicht – er hat DSA erfunden und er hat die Fans immer miteingebunden. Das reicht meiner Meinung nach für eine Widmung. Sie klammheimlich wegzulassen ist einfach nur ärmlich.

  8. TheClone sagt:

    Wenn ich mir angucke, was das weglassen für eine Reaktion hier hervor ruft, hätte ich das auch heimlich gemacht.

  9. Moritz sagt:

    Es ist auf jeden Fall kein Versehen, denn im Nachdruck von „Die schwarze Eiche“ fehlt es auch, wurde also bewusst rausgenommen.

  10. […] Das änderte sich mit dem Erscheinen der jüngsten Regionalspielhilfe Schattenlande. Dort fehlte die Widmung ebenfalls. Langsam nahm die Sache Fahrt auf. Irgendwann fand die Nachricht ihren Weg zu Gotongi. Dort ging’s dann richtig rund. […]

  11. Anonymous sagt:

    Ulrich Kiesow DER Vater von DSA … Schwachsinn! DSA hatte mehrere Väter und vielleicht hat das Ganze ja etwas mit dem Tod von Hans-Joachim Alpers zu tun? Schon mal darüber nachgedacht? Und wie muss sich der „einzige noch lebende Vater“ von DSA fühlen?

  12. Anonymous sagt:

    Auf Anonymus Antwort sagt keiner mehr etwas? Ja Seltsam soll er etwa recht gehabt haben und hier nur wieder eine neue wir hassen Ulisses Meinung Propagiert werden?

  13. Ein anderer Anonymous sagt:

    Vielleicht ist das auch keines weiteren Kommentares mehr wert… so wie auf die Behauptung, Edison hätte nichts mit modernen Energiesparlampen zu tun.

  14. Name sagt:

    hmm, das schweift jetzt etwas vom Thema ab, aber abgesehen davon, dass bei beiden aus Strom Licht wird und dass bei den Energiesparlampen auch der Edinsonsockel verwendet wird, wüsste ich nicht, was die jeweiligen Technologien zur Lichterzeugung miteinander zu tun haben. Falls Edison wirklich etwas mit den modernen Energiesparlampen zu tun hat, würde ich mich da über eine Info freuen.

  15. Flo sagt:

    Was soll man auf anonymous auch antworten? Natürlich ist Ulrich Kiesow nicht der alleinige Vater. Und ich bin mir auch sicher, dass das nahezu alle DSA-Fans, die sich über die fehlende Widmung wundern, das auch wissen.

    Dennoch: Ulrich Kiesow ist DER Vater von DSA. So haben es auch die anderen Mit-Väter immer wieder betont und gesehen. Aber eigentlich ist das auch nicht der Punkt in der Diskussion:

    Die Widmung war eine kleine, schöne, liebgewonnene Tradition bei DSA, eine Hommage an den Erfinder. Diese einfach unkommentiert, ohne Begründung wegzulassen, ist zum einen einfach unprofessionell, dazu taktlos und zum anderen passt es einfach prima zum Image des Evil-Empire, das sich Ulisses in den letzten Wochen und Monaten aufgebaut hat: Erst die Entlassungen / Trennungen, dann die großartige Neuigkeit (Die Rechteübernahme) – am Ende ist das Weglassen der Widmung einfach die Sahne auf dem Kuchen der Kommunikationspleiten von Ulisses. :)

  16. Anonymous sagt:

    Na ja, finde Ulisses hat Dank Disaster im Redaktionsstübchen einen Punkt für Öffentlichkeitsarbeit gut gemacht, da auf die Frage nach der fehlenden Widmung eine Statement abgegeben wurde:

    Zitat Disaster
    „Zwei der drei Gründer von Das Schwarze Auge sind mittlerweile verstorben. Dementsprechend war es angebracht, die alleinige Widmung herauszunehmen.“

  17. gotongi sagt:

    Immerhin ein Statement.

    Man hätte aber auch beiden Gedenken können :)

    Nachtrag, hier noch die Quellenangabe: http://www.ulisses-forum.de/showpost.php?p=821153&postcount=12

  18. Desperate sagt:

    Wer braucht es noch deutlicher, dass die Jungs mit den einheitlich schicken schwarzen Anzügen (wie auf der RPC) eine umfassenden DSA-Novellierung eingeleitet haben (?) Die lakonischen Stellungnahmen mancher Mitarbeiter – Punkt 1 bis Punkt 3 und so wirds gemacht – sind das Höchstmaß dessen, was kritische DSA Fans demnächst noch erwarten dürfen.

    Andererseits – es gibt natürlich keine „DSA-Community“. Es gibt keine einheitliche Willensbildung , weniger noch eine korporativ wirkungsmächtige Positionierung innerhalb dieser breiten Schicht. Der Begriff der „Community“ wird wieder einmal lediglich instrumentalisiert und das weiß jeder. Aus diesem Grunde ist auch die Kritik, wie Sie in diesem Thread unter dem Banner der Kiesow-Memoria geübt wird, nur ein pathetisches Konstrukt bzw. ein erst vor kurzem geschärftes Instrument. Mal ehrlich, wird bei diesem Unternehmen nicht auch eine gar nicht vorhandene „Vision“ der DSA-Community einmal mehr bedient?

  19. Anonymous sagt:

    Stellt sich trotz allem die Frage, warum Ulisses das nicht bereits beim ersten Mal Weglassen der Widmung kurz bekannt gemacht hat. Dann hätten sich wohl die wenigsten drüber aufgeregt.
    Ich bekomme das Gefühl, Ulisses möchte einfach keine Chance auslassen, das schlechte Bild des Verlags zu bestärken. Man könnte meinen, das hat Methode. Die wollen, dass wir sie doof finden ;)

  20. Der letzte Mohikaner sagt:

    Das ist eine der letzten Konsequenzen dessen, was Fanpro selbst und wohlwissend in die Wege geleitet haben. Alles schimpft auf Ulisses und wie es denn sein kann das jetzt alles gegen die Fans läuft. Aber der eigentliche Macher der ganzen Geschichte kommt gar nicht auf den Plan, weil ihn anscheinend niemand kennt oder den Sachverhalt der Entwicklung verkennt: Wenn jemand die Emanzipation vom geistigen Vater zu verantworten hätte dann ist das derjenige der DSA endgültig in die Hände derer weiterverkauft hat, die sich zu diesem Zeitpunkt unter den Fans sowieso nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatten. Dabei waren die Markenrechte zuvor nur verpachtet. Es lag einzig und allein an dem vorherigen Rechteinhaber und letzten Mohikaner aus der Kiesow-Gründer-Sippe die Base zu erhalten. Schon mal darüber nachgedacht oder wissen einige immer noch nicht um wens geht?

  21. jiamei sagt:

    Ich finde aber schon das jetzt auf jeder Glühbirne eine Widmung von Thomas Edision drauf kommen muss, wir sollten dazu ne Petition starten.

  22. ChaoGirDja sagt:

    Was den, kein Kommentar zu der Erklärung?

  23. Cailean sagt:

    @ChaoGirDja: Wozu auch? Ist doch okay. :) Das sind ja berechtigte Gründe, die vorher niemand wusste. Wenn keiner was dazu gesagt hätte, hätten wir diesen Grund vielleicht auch nie erfahren.

  24. Anonymous sagt:

    Schon bemerkenswert, dass auf das Statement von Herrn Plötz keine Reaktion erfolgt. Nicht einmal Gotongi selbst? (Hm, wie lang beschäftigt ihr euch mit DSA – seit der Kündigung von Mark Wachholz?)

    Aber gut, ein wenig auf den Fuß getreten, den „DSA-Fans der neueren Generation“.

    Was unterscheidet Ulrich Kiesow als einer der Begründer Aventuries in seinem Engagement von Werner Fuchs oder vom jüngst verstorbenen HaJo Alpers? Noch nie die Bücher und Veröffentlchungen der 1990er durchgesehen?

    Fangen wir von hinten an:

    1.) HaJo Alpers: Hat ein paar Romane geschrieben (Piraten des Südmeers und den vielkritisierten, schlechten Beginn der „Riana, die Amazone“-Reihe, ein bischen hier uind da an Abenteuern und Ideen mitgeschrieben. Vor seinem Tod war er nie noch nie so groß im Blickfeld der Öffentlichkeit wie durch die letzten Entschuldigungsversuche durch Herrn Plötz, der ungefähr so viel mit DSA und Rollenspiel am Hut hat wie ein Scheiße werfender Köln-Ultra mit den Entscheidungen an den britischen Courts dieser Tage.

    2.) Werner Fuchs: Der Herausgeber der DSA-Romane hatte schon etwas mehr Bedeutung für die Entwicklung von Aventurien. Außer seinen eigenen Abenteuer-Versuchen der beginnenden 1990er war es vor allen Dingen ihm zu verdanken, dass DSA unter Fanpro seinen Charme behalten hat. Nichtsdestotrotz war er es, der die Rechte von DSA weiterverkauft „preisgegeben“ hat. Und in den sonstigen DSA-Spielhilfen sieht man ihn nicht als Herausgeber

    3.) Anders als Ulrich Kiesow: Er hat nicht nur den redaktionellen und herausgeberischen Hauptteil der ersten Regelwerke und Spielhilfen geleistet, sondern mit seinem legendären Roman „Wenn das Rad bricht“ (Das zerbrochene Rad) sowie mit zahlreichen kleineren und größeren Beiträgen nicht nur der Geburt sondern auch der eigentlich Entfaltung Aventuriens verholfen!! Weiterhin hat er den regeltechnischen Trend des frühen DSA durch seine Auffassung von Rollenspiel-Heldentum (Der bodenständige Alrik) nachhaltig geprägt. Seiner Schöpfung und seinem Beitrag ist es zu verdanken, daß die Welt Dere einmal den Charme besessen hat, den viele heutzutage vermissen – nachzulesen in so vielem alten Material, das die jüngeren DSA-Fans noch nicht einmal zu Gesicht bekommen haben …

    Daher sollte er einen wohl nicht wundern, dass aus der jüngeren Schicht von DSA-Spielern kein Einwand, geschweige Protest kommt – die Älteren haben eh seit ein paar Jahren das Handtuch geworfen und kümmern sich um Weib und Heim.

    Dass Herr Plötz sich nun mit einem halbherzigen, pragmatischen Argument rechtfertigt, das Alex Spohr schon längst im Namen des Verlags an einer bestimmten Stelle hervorgebracht hat und somit wie Papageiengeplapper daherkommt, überrascht noch weniger. Plötz folgt den Ratschlägen der wenigen Denker im Verlag: Simon Richter, Alex Spohr und vllt. ein wenig auch Herrn Schnitzer. Ansonsten weiß er nichts, außer sein Kapital darauf zu verwenden, schnellstmöglich sein Monopol herzustellen.

    Aber bezeichnend, wenn alles so läuft. Das ist also die neue Ära von Aventurien. Niemand weiß von den Wurzeln, aber jeder will was in der Zukunft reißen.

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